Kulturpreis
der Bürgi-Willert-Stiftung an die Berner Troubadours
Seit
fast vierzig Jahren stehen die Berner Troubadours auf den kleinen
und grösseren Bühnen der gesamten Deutschschweiz.
Sie gelten als eigentliche «Erfinder»
des Dialektchansons in der deutschen Schweiz und treten immer
noch mit grossem Erfolg landauf landab als «auteurs, compositeurs,
interprètes» ihrer eigenen berndeutschen Lieder
auf. Ein Grund für den seit fast vier Jahrzehnten
anhaltenden Erfolg ist sicher die ausgeprägte Individualität
der einzelnen so ganz verschiedenen Chansonniers. Eine Gitarre,
ein Bein auf dem Stuhl - und schon lässt sich das Publikum
von den heiteren und ernsten, kritischen und komischen Chansons
begeistern.
Liedermacher,
Pop- und Rockmusiker, Rapper, Hip-Hopper usw. sind in die Fussstapfen
von Mani Matter und Bernhard Stirnemann, Ruedi Krebs, Jacob
Stickelberger, Markus Traber und Fritz Widmer getreten. Die
Berner Troubadours sind immer ihren eigenen Weg gegangen und
sind zu einem eigentlichen bernischen kulturellen Phänomen
geworden. Für ihr umfangreiches, lang andauerndes
und wegweisendes Wirken werden die Berner Troubadours mit dem
renommierten Kulturpreis der Bürgi-Willert-Stiftung ausgezeichnet.
Bisherige Preisträger waren die Schauspielerin Annemarie
Blanc, der Maler Franz Gertsch und der Musiker Heinz Holliger.
Besonderheit
dieses Kulturpreises ist es, dass er von den eigentlichen Preisträgern
an vielversprechende Nachwuchstalente weitergereicht werden
muss. Da die Berner Troubadours offiziell bis heute in keiner
Art und Weise geehrt worden sind, erhalten sie die Hälfte
des Preises für ihr Schaffen. Die andere Hälfte des
Preisgeldes von 60'000 Franken geben sie weiter an Christoph
Hoigné, Gründer und Leiter von «La Cappella»,
als Anerkennung seines kulturellen Engagements und der Förderung
junger Talente, die in der Berner Kultur-Kapelle auftreten.
An der Preisverleihung treten namhafte Persönlichkeiten
aus den Berner Kulturleben ans Rednerpult, um die Preisträger
zu würdigen. Die Feier wird natürlich umrahmt mit
Liedern der Berner Troubadours.
Laudatio
von Fred Zaugg zur Preisverleihung
Itritt frei. Hinecht
het niemer müesse zahle. Mir sy am ne Gratis-Alass. U doch
isch Gäld im Spiu, rächt viu Gäld für d
Bärner Troubadours u für d La Cappella vom Christoph
Hoigné, Gäld vo der Bürgi-Willert-Stiftig,
wo mit ihrem Prys einersyts es kulturells Phänomen vo Bärn
ehrt, wo – we me uf die erschte Afäng zrügg
geit – fasch es halbs Jahrhundert alt isch, u andrersyts
e junge Spilort, wo settigi Gschichte chöi afa, bis de
i fasch im ne halbe Jahrhundert e Stiftig se uszeichnet u vilecht
wider e junge Kulturort derzue, wo nöii Gschichte chöi
afa u de äbe i fasch em ne halbe Jahrhundert und so wyter.
Offiziell auerdings gits Bärner Troubadours ersch sit 1965.
1985 u 1995 hei si im Stadttheater Bärn Jubiläum gfyret:
20 Jahr u 30 Jahr.
Wet me ds hütige Datum vo der Prysverleihig mit der Gschicht
vo de Bärner Troubadours verbinde, so chäm me uf enes
truurigs Jubiläum. Im Spätherbscht sys de nämlech
grad drissg Jahr här, syt dr Mani Matter tödlech verunglückt
isch. Siner z gedänke, ghört zum hütige-n-Alass,
obwou dä vor allem de Läbende söu gäute.
Läbig blibe sy aber ja schliesslech o d Lieder vom Mani,
u für viu Lüt isch är nach wi vor der wichtigscht,
ja der eigetlech Bärner Troubadour. Aber der Name Bärner
Troubadours het immer es Mehrzau-S gha, het immer enere Gruppe
ghört.
Ungfähr glychzytig hei dr Mani Matter u dr Bernhard Stirnemann
i de Füfzgerjahr agfange bärndütschi Liedli z
schrybe, jede für sich u jede für nes anders Publikum,
beid hingäge mit em ne Vorbild, em französische Chanson,
vom Georges Brassens zum Byspiu, u dr einzigartige Chansonkultur
vo dr Rive gauche in Paris. Z Bärn sy si säuber Byspiu
worde für ne ganzi Reihe vo Chansonniers u Chansonnières.
Vor 38 Jahr het dr Hugo Ramseyer im Theater am Zytglogge es
Programm vom Cabaret Schifertafele mit «Ballade, Lumpeliedli,
Chansons à la Bernoise» überschriebe u mit
de Schifertafelelüt dr Bernhard Stirnemann, dr Ruedi Krebs
u dr Fritz Widmer mit eigete Lieder la ufträtte. O Chansons
vom Mani Matter het me chönne ghöre, gsunge het se
denn aber dr Urs Kräuchi.
Es Jahr später het me scho unger em Name «Bärner
Troubadours» im Theater am Zytglogge gliedet u dr Markus
Traber isch nöi derby gsy. U i dr Saison 1966/67 sy de
zum erschte Mau dr Ruedi Krebs, dr Mani Matter, dr Bernhard
Stirnemann, dr Markus Traber, dr Fritz Widmer u nöi dr
Jacob Stickelberger zäme-n-als «Bärner Troubadours»
ufträtte – u das im Galerietheater «Die Rampe»,
däm Kulturort im ne Chramgasschäller, wo bis 1982
nid nume d Heimat vo de Troubadours isch gsy, sondern e Pionierbühni
für Gägewartstheater, politischs Cabaret u de äbe
o für Chansons – bi wytem nid nume bärndütschi.
Wo d Rampe het müesse gschlosse wärde – trotz
enere grosse Petition – isch irgendwie dr Läbesnärv
vo dr Bärner Altstadtkultur troffe worde. Niemeh het si
nächhär so blüeit wi i de Rampe-Zyte. U d Troubadours
sy zwungenermasse zu fahrende Sänger worde, bis si schliesslech
hie i dr «La Cappella» e nöii Heimat gfunge
hei.
O we si hüt e Prys – dr erscht übrigens i ihrer
länge Karriere – überchöme, chönnt
me säge, äs gäb d «Bärner Troubadours»
no, wüu si nüt choschte. Kultur wo öppis choschtet,
isch ja immer meh i Gfahr. D Bärner Troubadours singe nid
für dervo z läbe, aber si läbe für dervo
z singe. Troubadour isch - im Ungerschid zu angerne Zyte –
ke Pruef me – u scho gar ke vom Biga gschützte. Es
het de o nid en einzige vo de Bärner Troubadours probiert,
e Pruef us sym Singe z mache. Nid Profession, hingäge Passion
ischs, wo hinger dene vilne Chansons steit, wo d Bärner
Troubadours gmacht hei. Mir rede vonere Gruppe, aber nid öppe
vonere Bänd, wo zäme-n-es Programm usarbeitet u probet.
Dr Markus Traber, dr Fritz Widmer, dr Jacob Sickelberger, dr
Ruedi Krebs u dr Bernhard Stirnemann , di füf Troubadours,
wo hinecht hie sy, hei zäme-n-e gmeinsame Name, es «Label»
würd me hüt säge, ihres Ziu isch aber d Viufaut
u nid Einheit. Jede vo ihne singe als Individuum, als Einzelne,
viellecht mänggisch sogar Einsame – säuber verantwortlech
für Wort, Ton, Uftritt u Qualität. Auteur-Compositeur-
Interprète seit me z Paris.
I däm Alleisy u Sichsälbersy u glychzytig zure Gruppe
ghöre isch müglecherwys dr viu wichtiger Grund z sueche,
warum es d «Bärner Troubadours» no immer git,
warum si nachwivor ihres Publikum hei u warum si wei wyterschrybe,
-komponiere u -singe, so lang si chöi.
Wüu ihres Thema ganz eifach zLäbe u ds Erläbe-n-isch,
blybt ihri Kunscht immer jung wi dr nöi Tag. U wüu
si nach ihrem Gspüri u ihrne Erfahrige u nid nach ere Mode
singe, müesse si nie Angscht ha druszgheie. Sicher, früecher
hei si vor Liebe gsunge, hei gwitzlet, gspöttlet, höchgnoh,
kritisiert u mänggisch o chli grevoluzzet. Viu vo däm
mache si o no hüt. Aber de isch o ds Euterwäre derzuecho,
d Bsinnig u ds Vermittle vom Schöne dusse-n-u i de Mönsche,
vor Wehmuet u vom Schmärz.
«Tour de Chant» nenne si ihri Uftritte. U es sy
immer «Tours de vie» Chlyni klingendi Reise dür
nes Bitzeli Dasy. U mir wärde mitgnoh, wärde bewegt
dür ne Stimm, Gitarrekläng u-n-es paar Wort, bärndütschi,
settigi wo mir verstöh i ihrer ganze Bedütig mit Sinn
u Hingersinn. Inere Zyt wo me meh agsunge wird us Müler
u auerhand Grät, aus dass me säuber würd singe,
inere Zyt, wo «love me» u «fuck you»
bärndütscher sy als «pfick di» u «i
ha di gärn», bruchts öich, liebe Bärner
Troubadours:
Es brucht öii Wort, öii Kläng u vor auem öies
Singe, öie Muet, öppis vo öich, vom eifache Läbe,
öppis vo hie, vo Bärn u üsem Zämesy zumene
Chanson z mache, zumene Lied, wo üs bewegt u begleitet
– u wo mir mänggisch säuber afö singe.
Drum singet wyter. Dr Grund, dass es nech no git, isch ds Läbe
säuber, isch öii Unverwächsubarkeit, öii
Eigenart u öies Bedürfnis e chly öppis vo däm,
wo dir gseht, ghöret u gschpüret als Lied wyter z
gäh.